Das Jahr 2021 - ein Rückblick


Das Jahr 2021 - ein Rückblick

 

Liebe Freunde und interessierte Menschen,

viele Leute fragen mich in diesen Tagen: «wie geht es mit der Visual Art School, könnt ihr funktionieren und weiterarbeiten?» Und natürlich steht hinter der Frage: kann eine private Kunstschule in diesen verrückten Zeiten überhaupt überleben? Hier ein paar Gedanken und Überlegungen rückblickend auf das letzte Jahr.

2021 begann mit dem Thema POESIE DER FARBE, eine Reise durch die Grammatik und Logik der Beziehungen der Farben zueinander und ihrer spielerischen Anwendung. Poesie und Musik waren sozusagen die Landschaften, auf die sich die Malerei beziehen konnte. Es scheint eine starke Bestrebung unserer modernen Zeit zu sein, die Dinge aus ihrer Einseitigkeit zu befreien. Für uns Maler war es ein befreiendes Erlebnis in der feinen Luft der musikalischen Intervalle zu atmen und die Farbpalette zu spielen, auf der Suche einer Entsprechung zu den Tönen einer Violine - in diesem Fall jene des Musiker Matthias Klenota. Die Gedichte der grossen japanischen Haiku Meister wie Basho mit ihrer Reduktion auf das Wesentliche, eröffneten ein anderes Feld der malerischen Interpretation mit der Betonung auf den Klang der Worte durch ihre einfache Bildsprache des lebendigen Augenblickes. Die Entdeckung des Dichters in jedem von uns erweitert unsere flachen Alltagserfahrungen, erweckt uns zum kreativen Logos, der potenziell in jedem von uns vorhanden ist.

Farben, Worte, Töne in ihrem aktiven Zusammenspiel, die Sinne geöffnet im Hier und Jetzt, war ein heilender Prozess im Lichte dessen, was rund herum zerbrach. Es war definitiv mehr als einfach überleben; es war eine Bestätigung des Lebens angesichts von «lebe nicht, habe Angst, mach was man dir sagt, frage nicht...».

Mit 12-14 Studenten im Vollzeit-Studium sowie 20 Studenten im Berufsbegleitenden Studium haben wir im Jahr 2021 ausserdem folgende Themen bearbeitet: DIE VIER ELEMENTE im Frühlingstrimester und im Herbst das Thema MENSCH IM RAUM. Im Frühling 2021 war es schwierig mit einer grösseren Gruppe zu reisen, sodass die längst geplante Studienreise von 10 Tagen zu einem Dorf in den Bergen des Piemont in Norditalien leider abgesagt werden musste. Wir wollten dort arbeiten und den Aufbau eines jungen Gemeinschaftsprojektes miterleben, bei welchem es darum geht, ein verlassenes Bergdorf neu zu beleben.
Obwohl wir stark bedauerten, nicht aus direkten Impressionen der Natur in den Bergen arbeiten zu können, haben wir eine Bestätigung darin erlebt, dass die Elemente Erde, Wasser, Luft und Feuer überall existieren und im Wesentlichen die Basis unserer ganzen Existenz ausmachen. Somit finden wir diese Kräfte überall und in den alltäglichsten Aktivitäten wie beispielsweise beim Kaffee machen. Doch im Hinblick auf die verschiedenen Ebenen unserer Existenz können wir sie ebenfalls in unserem Knochenbau, unserer Zirkulation und Atmung sowie unseren Gefühlen und Gedanken finden. So haben wir uns letztendlich in unserem Atelier in Münchenstein / Basel vielleicht tiefer in unsere eigenen Quellen der Elemente einarbeiten können.
 
Das Jahresthema, welches uns durch das Schuljahr 2020/ 2021 begleitete, war KUNST IN HERAUSFORDERNDEN ZEITEN. Die Herausforderung flexibel zu bleiben in Anbetracht ständiger, neuer und oft bedrohlicher Wolken von Regeln und Bestimmungen schafft vielleicht noch einen klareren Fokus auf die Fragen nach grundsätzlicher menschlicher Wahrheit. Jemand sagte, dass der Tod nicht im Jahr 2020 erfunden wurde und die Akzeptanz des Todes bis zu seiner letzten Konsequenz der fruchtbare Ort ist, wo Dinge neu beginnen können.
 
Nach der Sommerpause hat uns das Thema MENSCH IM RAUM und das neue Jahresthema KUNST UND FREIHEIT in eine intensive Arbeitszeit geführt, mit der Betonung auf die Bewegung des menschlichen Körpers und seiner Beziehung zum Raum. Bewegung und Freiheit scheinen im weiteren Sinne untrennbar. Der statische Zustand eines Bildes zeigt auf die Spuren der vergangenen Bewegung und Verwandlung und deutet möglicherweise auch auf neue, zukünftig orientierte Perspektiven. Diese sind stark abhängig vom Zustand der Freiheit, wobei alle Ebenen der Freiheit herausgefordert sind, vom Bildschaffenden wie vom Betrachter.

Ein Höhepunkt des Jahres 2021 war die Vertiefung einer neuen Zusammenarbeit zwischen der Bio Stiftung Schweiz und Visual Art School und die Realisation einer gemeinsamen Konferenz in der Schule mit Johannes Stüttgen, dem Meisterschüler und Mitarbeiter von Joseph Beuys mit dem Thema: Die Freiheit auf den Begriff gebracht - die Richtkraft in der gefährlichen Zeit - jetzt.

Wir von der Visual Art School freuen uns auf weitere Herausforderungen und der neuen inneren und künstlerischen Freiheit, die davon Früchte trägt.
 
Wir sind stolz auf die zwei Studentinnen des Vollzeitstudiums, die letztes Jahr erfolgreich ihre Diplomarbeitsprojekte abgeschlossen haben: Caroline Donati und Ylvie Reinauer sowie auch auf die drei Studentinnen des Berufsgeleitenden Studiums: Pat Amweg, Nicola Schwarztrüber und Madeleine Wick - Gratulation!
 
Vielen Dank an das ganze Arbeitsteam: Natacha Di Nucci - Büro / Administration und Gastlehrerin, Duillio A. Martins - Photographie, Web Support und Gastlehrer, Rowan Blockey – Körperbewusstsein- und Theaterlehrer.
Ebenfalls vielen Dank an alle anderen Gastlehrer und an die Kursteilnehmer.
 
Herzliche Grüsse und die beste Wünsche für ein kreatives und kraftvolles kommendes Jahr.
 
Charles
Fredy